Poesie ist wie ein Duft, der sich verflüchtigt
und dabei in unserer Seele die Essenz
der Schönheit zurücklässt.
Jean Paul
Geduld ist das Schwerste und das
Einzige, was lernen sich lohnt.
Alle Natur, alles Wachstum,
aller Friede, alles Gedeihen und
Schöne in der Welt beruht auf
Geduld, braucht Zeit,
braucht Stille,
braucht Vertrauen.
Hermann Hesse
Auch das ist Kunst, Gottesgabe
aus ein paar sonnenhellen Tagen
sich so viel Licht ins Herz zu tragen,
das, wenn der Sommer längst verweht,
das Leuchten immer noch besteht.
Goethe
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Es sind Söhne und Töchter der Sehnsucht
des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
und obwohl sie mit euch sind,
gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,
aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben verläuft nicht rückwärts,
noch verweilt es beim Gestern.
Ihr seid die Bögen, von denen eure Kinder
als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Khalil Gibran
Mondnacht
Es war, als hätte der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogen sacht,
es rauschten leis´ die Wälder,
so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.
Joseph Freiherr von Eichendorff
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten.
Sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke
Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.
Dietrich Bonhoeffer
Je schöner und voller die Erinnerung,
dester schwerer die Trennung. Aber die
Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in
eine stille Freude. Man trägt das vergangene
Schöne nicht wie einen Stachel, sondern
wie ein kostbares Geschenk in sich.
Dietrich Bonhoeffer
Vater Winter
von
Lidia Gusovski