Adriana wird 15 Monate alt. Sie stirbt in meinen Armen.
Nach einer kurzen Routineoperation entwickelte
sie ein akutes respiratorisches distress
Syndrom (ARDS = Schocklunge) verbunden
mit einer fulminanten Sepsis. Ihr Zustand
veränderte sich nicht nur unglaublich schnell,
sondern auch völlig unerwartet.
Ich war darauf vorbereitet unsere
Sachen zu packen, damit wir nach der Abschluß-
untersuchung nach Hause fahren konnten.
Wie hätte ich darauf vorbereitet sein können,
mit ihr die letzten Minuten ihres Lebens
zu verbringen?
Ich stehe an Deinem Bett. Wir, Du und ich, sind umgeben von zahllosen Ärzten und Schwestern. Alle reden, doch bei mir kommt nicht ein einziges Wort an. Ich sehe nur Dich, so klein und zerbrechlich in dem großen Bett. Überall Schläuche, Kabel, Monitore. Auf einmal wird alles still. Jemand drückt mich in einen Schaukelstuhl, ein anderer befreit Dich von der Technik. Ich bekomme eine Decke und jemand legt Dich in meinen Arm. Du bist so warm und weich, Deine Augen sind geschlossen. Mir ist noch nicht klar, dass Du sie nie wieder öffnen wirst. Ich halte Deine kleine Hand und Du atmest ruhig und leise. Hin und wieder legt Dir jemand ein Stethoskop auf die Brust. Dann kommt ein Arzt und flüstert, dass Du gegangen bist.
Ich weiß es bereits. Deine Seele hat Deinen müden kleinen Körper verlassen. Du bist so still und leise gegangen, wie Du gekommen bist. In meinem Kopf ist alles seltsam ruhig, aber mein Körper gehört mir nicht. Alles bebt und der Arzt bleibt bei uns sitzen, bis das Zittern aufhört.
Zweieinhalb wunderschöne Stunden darf ich Dich halten. Irgendwann erscheint eine Schwester und obwohl sie nichts sagt weiß ich, dass die Zeit gekommen ist. Ich gebe Dir einen Kuss und danke Dir, dass Du zu mir gekommen bist, dass ich Deine Mama sein durfte und Du mich so viel gelehrt hast.
Vernichtend der Gedanke, doch in dieser Welt werde ich Dich niemals wieder in den Armen halten, mein Kind.
In Liebe, Deine Mama
Es sind die Glückskinder, die die Erde überspringen
dürfen, um dort hin zu gelangen, wofür wir
einen weiten Weg gehen müssen.
Unbekannt
Und meine Seele spannte weit ihre
Flügel aus, flog durch die stillen
Lande, als flöge sie nach Haus.
Joseph von Eichendorff
Die Liebe erträgt alles,
sie glaubt alles,
sie hofft alles,
sie duldet alles.
Die Liebe hört niemals auf.
Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe,
diese drei; aber die Liebe
ist die Größte unter ihnen.
Paulus an die Korinther
Steht nicht weinend an meinem Grab,
ich bin nicht dort, ich schlafe nicht.
Ich bin der Wind, der immer weht,
die Sonne, die hoch am Himmel steht,
der Regen, der auf Dich fällt,
der Mond, der Deine Nacht erhellt.
Steht nicht weinend an meinem Grab,
ich bin nicht dort, ich schlafe nicht.
Es gibt Momente im Leben eines
jeden Menschen, da hört die Erde
für einen Moment auf, sich zu
drehen. Und wenn sie sich dann
weiterdreht, wird nichts mehr
sein wie vorher.
.
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
kein Baum sieht den andern,
jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
als noch mein Leben licht war.
Nun, da der Nebel fällt,
ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
der nicht das Dunkel kennt,
und unentrinnbar und leise
von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamkeit.
Kein Mensch kennt den andern,
jeder ist allein.
Hermann Hesse
Niemand kann deinen Weg für dich gehen,
denn dies ist dein Weg, den du gehen musst.
Doch können dich hierbei Arme stützen,
Gedanken begleiten und manchmal Hände tragen.
Bärbel Kehrer-Kremer
Durch das Leben in die Knie gezwungen,
verzweifelt am Boden liegen.
Aufgeben, hadern, verbittern?
Oder annehmen. Nach vorne schauen.
Ich will nicht liegen bleiben. Ich stehe
auf und gehe weiter. Nicht den einfachen
Weg, der ist mir versperrt. Aber es
gibt einen anderen Weg. Mühsam, doch
begehbar. Er führt über Berge und Täler,
ausgestattet mit vielen Hindernissen.
Manche erscheinen unüberwindbar.
Doch ich habe sie alle erklommen
und genieße die wunderbare,
die einzigartige Aussicht, die ich nur
auf diesen Bergspitzen erleben darf.
Petra Stuttkewitz
Still, seid leise!
Es war ein Engel auf der Reise.
Sie wollte ganz kurz bei Euch sein,
warum sie ging, weiß Gott allein.
Sie kam von Gott, dort ist sie wieder.
Sollte nicht lange auf die Erde nieder.
Ein Hauch nur bleibt von ihr zurück,
in Euren Herzen ein großes Stück.
Sie wird für immer bei Euch sein,
vergesst sie nicht, sie war so klein.
Geht nun ein Wind an mildem Tag,
so denkt, es war ihr Flügelschlag.
Und wenn ihr fragt, wo mag sie sein?
so wisst, Engel sind niemals allein.
Und wenn ihr sie auch sehr vermisst,
und weint, weil sie nicht bei Euch ist,
so denkt, im Himmel, wo es sie nun gibt,
erzählt sie stolz: ich werde geliebt.
Unbekannt
Eines Morgens wachst Du
nicht mehr auf,
die Vöglein aber singen,
wie sie gestern sangen.
Nichts ändert diesen Tagesablauf,
nur Du bist fortgegangen.
Du bist nun frei,
und unsere Tränen
wünschen Dir Glück.
Johann Wolfgang von Goethe
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